Glück.
Solang du nach dem Glücke jagst,
Bist du nicht reif zum Glücklichsein,
und wäre alles Liebste dein. 
Solang du um Verlornes klagst,
Und Ziele hast und rastlos bist,
Weißt du noch nicht, was Friede ist.
 Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
Nicht Ziel mehr noch Begehren kennst,
Das Glück nicht mehr mit Namen nennst,
 Dann reicht dir des Geschehens Flut
Nicht mehr ans Herz, und deine Seele ruht.
 (Hermann Hesse)
 
 
  Der Brief, den du geschrieben,
Er macht mich gar nicht bang;
Du willst mich nicht mehr lieben,
Aber dein Brief ist lang.

Zwölf Seiten, eng und zierlich!
Ein kleines Manuskript!
Man schreibt nicht so ausführlich,
Wenn man den Abschied gibt.
(Heinrich Heine)
 
 
  Nähe des Geliebten

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer 
 
       Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
        In Quellen malt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
        Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
        Der Wandrer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
        Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
        Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
        Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
        O wärst du da!       
 
 
( Wolfgang von Goethe )
 

    Ach, wie sehn ich mich nach dir,
Kleiner Engel! Nur im Traum,
Nur im Traum erscheine mir!
Ob ich da gleich viel erleide,
Bang um dich mit Geistern streite
Und erwachend atme ich kaum.
Ach, wie sehn ich mich nach dir,
Ach, wie teuer bist du mir
Selbst in einem schweren Traum.

( Wolfgang von Goethe )

 

 Liebe

Wärmende Arme umschlingen mich,

halten mich, erfüllen mich

mit Liebe und Geborgenheit.

 Ich bin ich - in diesen Armen

Nähe, die mir wohltut, mich zärtlich drückt,

nicht erdrückt.

 Fallenlassen, loslassen, zulassen,

mich gehen lassen

in diesen Armen.

 Wärmende Arme, die mit mir gehen.

Die nicht fragen, warum, wohin, wieso,

mich einfach begleiten

und, wenn nötig, tragen und stärken.

Und das schon mehr als mein halbes Leben lang

(by Uschi.) 

 

 

 Mignon

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
(Wolfgang von Goethe)
 

 

   Es gibt so schönes in der Welt. 

 Daran du nie dich satt erquickst

Und das dir immer Treue hält
Und das du immer neu erblickst:
Der Blick von einer Alpe Grat,
Am grünen Meer ein stiller Pfad,
Ein Bach, der über Felsen springt,
Ein Vogel der im Dunkeln singt,
Ein Kind, das noch im Träume lacht,
Ein Sterneglanz der Winternacht,
Ein Abendrot im klaren See,
Bekränzt von Alm und Firneschnee,
Ein Lied am Straßenzaun erlauscht,
Ein Gruß mit Wanderern getauscht,
Ein Denken an die Kinderzeit,
Ein immer waches, zartes Leid,
Das nächtelang mit seinem Schmerz,
Dir weitet das verengte Herz
Und über Sternen schön und bleich
Dir baut ein fernes Heimwehreich.
 (Hermann Hesse)

 

 

 

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